Besucher:


Kanusport Rheurdt e.V. (1985 - 2013) - Ein Nachruf

Am 31. März, mitten in den Osterferien, wenn die Paddler wieder ausschwärmen nach Korsika, an die Weser, an die Ardèche oder sonstwo hin, geht heimlich, still und leise ein Ära zuende. Der KSR (Kanusport Rheurdt), ein kleiner, einst so ambitioniert gestarteter Verein vom linken Niederrhein, wird aufgelöst und hört ab diesem Tag auf zu existieren.
An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, aufzuarbeiten, welche Fehler und Missstände dazu geführt haben, dass es soweit kommen musste. Hier soll nun einfach einmal ein - ganz subjektives - Denkmal gesetzt werden an beinahe dreißig zumeist schöne Jahre. Falls sich einmal ein Ex-KSR'ler hierhin verirrt: Viel Spaß beim Schwelgen in alten Erinnerungen und: Danke, KSR!

Das extravaganteste Vereinsheim eines Kanuclubs weit und breit - ein Turmwindmühle auf einem Berg. Fließendes Wasser gab es nur an den Innenseiten der Wände - bei Regen...

Aber die Mühle und ihr Gelände bot uns Platz für viele schöne Grillabende, Sommerfeste und und und...

Sogar gezeltet wurde hier öfter und wir hatten immer wieder mal andere Vereine zu Gast. Nur zum Ausrichten einer Bezirksfahrt hat es nie gereicht.

Der KSR war seit seiner Gründung ein Wanderpaddler-Verein. So wurden viele km auf Lippe, Niers, Ruhr, Weser, Rhein und anderen ruhigen Gewässern zurückgelegt. Teilweise war man in den Bezirkswertungen sogar ganz weit vorn dabei. An die hundert Mitglieder hatte der Verein in seinen Glanzzeiten, von denen die meisten auch aktiv paddelten und fünfstellige Vereins-km-Leistungen erzielten.

Aber Wanderfahrer-Abzeichen hin oder her - vor allem die Gemeinschaft und das Erlebnis Paddeln zählte hier.
Und so waren die Pausen oft genauso wichtig wie das Paddeln. Rückblickend muss man die vielen Dosen Bier, die auch auf diesem Bild zu sehen sind, natürlich etwas kritischer sehen, aber irgendwie gehörte das bei uns halt auch dazu. Und es war okay.
Was wäre der Kanuverein ohne seine Urlaubsfahrten? Ein Stammziel gab es, das über allen anderen stand: Bad Karlshafen an der Weser!
Dieses Bild von der Osterfahrt stammt aus dem Jahr 1993.
Auch viele Jahre später ein klassischer Pflichttermin: Die lange Tischreihe; besonders gern während der Osterfahrt am Ostersonntag oder -montag.
Abends sitzt man generationenübergreifend gemütlich beisammen...
Apropos Generationen: Zum ersten Mal ist 1993 eine kleine Jugendmannschaft dabei!
Alles begann im Januar 1993 mit einem Kegelabend. Zehn Jahre später war die "KSR KanuJugend" kaum noch wiederzuerkennen...
...denn 2003 folgte nach 1999 bereits die zweite hohe Auszeichnung für eine Jugendarbeit, die konzeptionell, innovativ und sportlich anspruchsvoll ein Vorbild für viele anderen Vereine wurde. Sowohl der DKV als auch der LSB NRW hat hohe Ehrungen an die KSR KanuJugend vergeben. Hier ein Bild von der Preisverleihung 2003. Ein Team von sechs Betreuern sorgte fast jeden Wochenende dafür ,dass die Kids eine unvergessliche Jugendzeit im KSR erlebten.

Die erste Generation der KanuJugend legte mit ihren Touren den Grundstein zum Erfolg. Saisonstart-Party, Abenteuerfahrten, Musikprojekte und vieles mehr bleiben in Erinnerung.

Die zweite Generation der KanuJugend startete dann richtig durch. Wir wuchsen als Team zusammen, fuhren schweres Wildwasser, erkundeten auf legendären Abenteuerfahrten z.B. den Biesbosch, hatten ebenso legendäre Partys und einfach ein paar tolle Jahre!

Ja, so voll war die Mühle früher einmal. Hier ist es die Weihnachtsfeier (gut zu erkennen am Herrn im roten Mantel), die dazu führt, dass auch der letzte Platz belegt ist. Voll, laut und lustig ist nicht nur auf den Vereinsfeiern, sondern auch beim "Stammtisch" jeden Freitag die Devise. Neben dem Planen von Paddeltouren und dem Quatschen unter Freunden erfreuten sich auch Dartrunden lange großer Beliebtheit.
Auch im Winter traf man sich regelmäßig, schließlich lag das Hallenbad direkt vor der Tür des Vereinsheimes und so konnte alle 14 Tage die Eskimorolle trainiert werden. Danach ging es meist noch in die Mühle zu Kaffee und Kuchen. Gerade die Jugend, aber auch viele Erwachsene haben diese Wintertreffen im Hallenbad sehr gemocht!
1985 von einer Handvoll meist unerfahrener, aber ambitionierter Paddler gegründet, wuchs der KSR in den Folgejahren unter der Führung des ersten 1. Vorsitzenden Manfred Wichert schnell heran. Bald schon konnte mit der Mühle ein Vereinsheim gefunden und ausgebaut werden. 1992 erging der Beschluss, dass die Jugendarbeit gefördert werden solle; zwei Jahre später übernahm Christian Brune, gerade 18 geworden, die Position des Jugendwartes, die er bis 2005 innehatte. Mit seiner Amtsniederlegung endete die Jugendarbeit im KSR. Der KSR ernannte eine Person zum Ehrenmitglied, nämlich Bernhard Brune, der den Verein mitgegründet, ihn einige Jahre (bis 1995) auch als Vorsitzender geführt und danach bis kurz vor dem Ende als Beisitzer beraten hat. Mit den Mitgliederzahlen ging es in den letzten Jahren rapide bergab, bis im Jahr 2013 die noch nicht einmal mehr 30 verbliebenen, nicht mehr im Verein aktiven Paddler die Auflösung des KSR zum 31.03.2013 beschlossen.

Nachtrag:

Dieser Text sowie die Bildauswahl sind rein subjektiv. Beides erhebt nicht den Anspruch, den Verein und seine Historie verallgemeinernd oder einigermaßen vollständig darzustellen. Es sind einfach ein paar schöne Erinnerungen, und es würde mich freuen, wenn ich nicht der einzige bin, der an die Zeit im KSR so zurückdenkt.

Schade, dass es diesen Verein, der meine Kindheit und Jugend begleitet und geprägt hat, nicht mehr gibt. Ich werde die guten Zeiten dort vermissen, aber mich immer gern daran zurückerinnern.

   
   

Fotos © Harald Prehm und Christian Brune, Text© Christian Brune