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Die Irreler Wasserfälle - WW-Paradies im Westen!

DAS BRAUNE INFERNO (Januar 2007) 

Hmmmm... Kuchen! Wir stehen vor dem Supermarktregal und überlegen, welcher am besten zu unser prall gefüllten Fresstasche passt. Wenn man 250 km Autofahrt bis zum Fluss vor sich hat, muss das Kulinarische stimmen. Schließlich entscheiden wir uns für den braunen, weil der so toll nach viel Schokolade aussieht. Pegelstand: Null - neun - null.

Die restliche Zeit vergeht schnell - Leute zusammentrommeln, Fahrt organisieren und so weiter. Telefonpegel abhören. Alle Flussalternativen zur Prüm führen zu wenig Wasser, um uns zu reizen. Die Prüm läuft ab 60 cm. Die Entscheidung steht: wir fahren nach Irrel! Pegelstand: eins - eins - vier.

Es ist noch dunkel, doch der Dachträger ist bereits montiert und die Boote folgen. Nur der frühe Vogel fängt den Wurm! (stöhn) Immerhin sagt der Wetterbericht nach tagelangen Regenfällen für heute Trockenheit und - für Anfang Januar - angenehm warme Temperaturen von 10 Grad voraus. Die ersten Leute sammeln wir dann in Neukirchen-Vluyn auf, wo sie bereits mit einem breiten Grinsen stehen, denn sie haben eben noch mal den Wasserstand abgehört. Pegelstand: eins - drei - acht.

Am Parkplatz an den Wasserfällen treffen wir alle zusammen. Fünfzehn heiße Paddler rennen Richtung Schlucht. Auf der Fahrt habe ich vom "braunen Inferno" gewitzelt, das uns bei Hochwasser erwarten würde. Die Mädels fanden das aber gar nicht so witzig. Bei Blick in die Schlucht wird dann ganz schnell klar: Heute ist ein besonderer Tag. Ich persönlich habe die Fälle noch nie bei so viel Wasser erlebt. Tatsächlich donnern braune Wassermassen pilzend, pumpend und vor allem wahnsinnig schnell durch die enge Schlucht. Der sonst eher technische Abschnitt ist zu einer Wuchtwasser-Autobahn geworden und ab und zu treiben Baumstämme hindurch. Einer davon hat leider die Durchfahrt des letzten, besonders steilen Kataraktes ganz am Ende verlegt. Nur eine schmale, gerade einmal einen Meter breite Lücke bleibt auf beiden Seiten, doch leider zieht die Strömung wuchtig in die Mitte. Wer dort unter dem Baum gerät, der hat wenig Spaß. Ein kleiner Fahrfehler, eine zu langsame Rolle oder Ähnliches würde sofort schwerste Konsequenzen nach sich ziehen. Also ist für die meisten dieser Abschnitt als "unfahrbar" eingestuft, da auch unsere Versuche, den Baum zu entfernen, kläglich scheitern. Pegelstand: eins - vier - sechs.

Trotzdem steigen wir natürlich ins Boot - schließlich sind wir zum Paddeln hier! Ramona braucht Hilfe beim Einsteigen und Anna (noch oben auf dem schlammigen Trampelpfad) überschlägt sich vor Hilfsbereitschaft, um schnell bei ihr zu sein. Genauer gesagt, sie purzelt mit Boot auf der Schulter und Paddel in der Hand die Schlucht herunter, bis sie vor Ramona zum Liegen kommt. Doch tapfere Mädchen kennen keinen Schmerz, und zehn Minuten später sitzt sie trotzdem im Boot. Stefan beschreibt den Eingangskatarakt noch einer Probebefahrung so: "Also ich hab da ziemlich große Augen bekommen!" Dazu muss man wissen, dass er zwar ein großer Kerl ist, aber genau deswegen auch meist keine großen Augen macht. Die anderen schlucken. Eine Gruppe unserer Paddelfreunde probiert's. Schon bei der Anfahrt scheitern die ersten, wir bekommen bei sieben Fahrern acht verschiedene Routen geboten, die alle mit einem tiefen Schluck Wasser im finalen Loch enden. Nur einer kommt ohne Rolle durch. "Schön, schön", versuche ich meiner Stimme einen fröhlichen Klang zu geben, "da haben wir jetzt aber genug gesehen. Auf ins Boot, wir machen's besser!" Komischerweise müssen die Mädels noch kurz überlegen, doch dann geben sie sich einen Ruck. Wenig später sitzen wir bereits unterhalb des Kataraktes im Kehrwasser und grinsen. Es hat super geklappt, alle haben die Route getroffen. Bis vor die Brücke, die den Beginn des Schlussteils der Schlucht anzeigt, fahren alle, vor bzw. kurz hinter der Brücke steigen dann die meisten aus, um dem hinterhältigen Baum am Ende zu entgehen. Wir sind nur noch zu dritt, als wir in den Schlusskatarakt einfahren. Das ehemalige "Treppenhaus" ist eine einzige, wuchtige Rutsche, doch wir kommen gut klar, schlüpfen dahinter ins Kehrwasser und fahren gemütlich am Baum vorbei. Abschließend paddeln wir noch die Prüm einige Kilometer bis zur Mündung und kommen dort in der Dämmerung an. Ein toller Tag geht zu Ende und wir haben das Wildwasserjahr 2007 optimal begonnen. Jetzt ist auch endlich Zeit für unseren Schokoladenkuchen. Im Andenken an unseren Tag taufen wir ihn "braunes Inferno". Hmmmm... lecker! Pegelstand: ist uns egal...

Autor: Christian Brune

Die Irreler Wasserfälle der Prüm befinden sich in einer 800 m langen Schlucht und stellen eine der Wildwasser-Referenzstrecken in Westdeutschland dar. Bei unserem Hochwasserstand sind sie sehr schnell, wuchtig und mit WW III-IV sicherlich nicht zu hoch bewertet.

Spaßbremse - dieser Baum mitten im Fluss hieß für die allermeisten von uns: vorher aussteigen. Denn wer durch einen Fahrfehler oder Unsicherheiten darunter gerät, dem kann kaum noch geholfen werden...
  

Der finale Abfall des steilen Eingangskataraktes (kommt im Foto so leider nicht rüber). Chris verschwindet bereits im Loch, Anna hat's noch vor sich.
 

Ramona kennt wie immer weder Schmerz noch Angst und wagt sich ins "braune Inferno"!

Wuchtig stürzen die Wasser der Prüm durch die Schlucht - mutig stürzen die Paddler (hier: Stefan) sich hinunter...

 


Chris in Action: So viel Spaß gab's in Irrel bisher selten!

 


Dank Hochwasser standen in den Irreler Wasserfällen einige bemerkenswerte Löcher - hier sieht sich Anna gerade eins aus der Nähe an ;-)

 


Bei weniger Wasser ist dies das "Treppenhaus" - drei Stufen, die schön zu fahren sind. Jetzt aber ist dies eine einzige wuchtige, steile und ungeheuer schnelle verwalzte Rutsche.

 


Ramona zeigt, wo's langgeht: So paddelt man in schweren Katarakten, damit der Fotograf möglichst viel vor die Linse bekommt!

  Fotos © Olli und Chris