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Glaube und Var-heit (Ostern 2009)

Wir haben geglaubt, zu Ostern wäre die Region rund um den Verdon ein perfektes Paddelziel - sommerliche Temperaturen, ausreichende Wasserstände, tolle Landschaften.

Wir haben geglaubt, die Verdon-Schlucht packen zu können. Klar, voller Siphone und 30 km lang schweres WW - aber schließlich waren wir als Kanu-Camp-Teamer ein ziemlich kompetenter Haufen auf dem Bach.

Doch die Var-heit sah ein wenig anders aus...

Ist das etwa der ersehnte Sommer? Mediteranes Klima und so? Verdammt!

Zum Glück hab ich die Winterreifen drauf gelassen...;-)

Aber so entstehen wenigstens beeindruckende Fotos, hier vom oberen Verdon. Dafür müssen wir durch einen Skiort, aber dann hat's geklappt und wir paddeln einen zwar expeditionsähnlichen, aber lustigen Abschnitt.
Und unser Silberrücken Willi hält auch in Krisenzeiten die Truppe zusammen - und wehe, an einem Tag ist mal erst um 10.01 Uhr Abfahrt vom Platz...;-)
Doch für solche Landschaften nehmen wir auch gern Entbehrungen in Kauf - und hoffen auf schöne Stellen, die auch ab und zu kommen. Laut Flussführer fahren wir zwar meist Bäche im vierten und fünften Grad - selten überschreiten sie allerdings in Wirklichkeit den dritten Grad - aber wer glaubt schon dem Flussführer, wenn die Varheit doch so offensichtlich ist...
Lustige kleine Abfälle unterhalten uns - hier tobt Hans-Jürgen den Verdon herunter. Er hat sich unserer Tour recht kurzfristig angeschlossen und hält die Fahnen des AKC in unseren Reihen hoch...
Irgendwann lässt sich auch die Sonne nicht mehr länger bitten und setzt unser Lager ins beste Licht. Schlammig bleibts zwar, aber wenigstens kann man jetzt das gute Wetter genießen...
...und wir packen den Grill aus! Die Stimmung in der Gruppe ist gut, auch wenn unser Hauptprojekt leider nicht zu realisieren ist: Die Verdon-Schlucht, für die 13-18 Kubik empfohlen werden, ist mit 40 Kubik jenseits jeglicher Diskussion... Und da der Staudamm leider kaputt ist, ändert sich auch am Wasserstand die ganze Zeit über nichts.

Doch ein Gutes hat das Ganze: Wir haben den Blick für die anderen Schönheiten der Region - und befahren die traumhafte Schlucht des Var, einen wirklichen Landschaftssechser...

Ohne Vorankündigung wechselt die Gesteinsfarbe am Schluchteingang von grau auf rot. Fünf Kilometer in einer völlig unzugänglichen, 300 m tiefen Schlucht - Wahnsinn! Wildwassertechnisch nicht allzu schwer (III), schafft es Thorsten trotzdem, direkt nach dem "Point of no Return" sein Paddel zu versenken. Aber er gehört echt zur Gattung der Glückspilze, denn er schwimmt ans Ufer, bückt sich und findet ein einwandfreies Robson-Paddel, mit dem er weiterfahren kann! Tja, der Herrgott nimmt, der Herrgott gibt. Womit wir wieder mal beim "Glauben" wären...

Kaum glauben konnten wir, wie unglaublich scheiße ein Felssturz sein kann - aber allein dieses Bild links zeigt schon, dass das Umtragen hier kein Spaß ist. Das Fahren durch diesen neuen, extrem steilen, unsauberen und von messerscharfen Steinen gespickten Fünfer-Katarakt ist für uns dann aber trotzdem keine Option - jeder Fahrfehler hätte uns aufgeschlitzt...

Kein Wunder also, dass die Schlucht offiziell gesperrt war und wir einen "Banditrun" veranstaltet haben - aber das haben wir selbstverständlich erst hinterher erfahren ;-)

Tribut müssen wir trotzdem an den Var zahlen, aber wie heißt es doch so schön:

 

Pain is temporary,

but glory is forever!

So paddeln wir alles, was geht - Var, Verdon (außer Schlucht, natürlich), Goulomp... und haben irgendwann alles abgehakt. Dann locken Bekannte, höhere Temperaturen und andere Flüsse uns zur Ardéche, so dass wir kurz entschlossen das Revier wechseln und beim Camping La Bastide das halbe Kanu-Camp treffen...
Solche tollen Bilder schießen wir aber an der Ardèche nicht, auch wenn die Temperaturen durchaus freundlicher sind - man könnte auch sagen, der Regen wird deutlich wärmer!
Versöhnen kann uns aber der Fontauliere. Statt der normalen 4 Kubik wälzen sich hier 11 den kleinen Fluss hinunter, so dass wir einen wuchtigen Ritt erleben - dieses Wehr allerdings entwickelt einen absolut tödlichen Rücklauf und wir halten respektvollen Abstand...
Schon in den ersten schweren Katarakten wird klar: Von der Straße aus haben wir die Geschwindigkeit und die Wasserwucht dieses Flusses deutlich unterschätzt... Stephan kämpft sich hier in die Ideallinie.
Auch dieses Wehr braucht einen beherzten Boof ins rechte Kehrwasser, um dem brutalen Rücklauf zu entgehen... uns gelingt es zum Glück allen!
Die Kernstelle, einen wuchtigen Fünfer-Katarakt, der Fahrfehler kaum verzeiht, besichtigen wir, bis wir kurz vor dem Wahnsinn stehen. Geschätzt eine Minute vor dem Entschluss, zu umtragen, nimmt sich Guido ein Herz und hackt sich das Teil herunter. Schnell folgen Stephan und ich, Hans-Jürgen (siehe Foto rechts) macht den Schluss. Leider verwachst er seine Linie und geht beinahe kopfüber ins Abschlussloch. Doch er wuselt sich heraus und wir überstehen alles unbeschadet.
So geht der Urlaub doch noch mit ordentlichen WW-Eindrücken zu Ende - und eins bleibt unverändert: die Liebe zu Südfrankreich, der Landschaft, den Flüssen, den Menschen. Das wird wohl auch immer so bleiben, und auch nächstes Jahr werden wir bestimmt wieder irgendwo im Süden herumwuseln - auf der Suche nach solch tollen Landschaften...

...und nach perfekten Spielwellen bei Sonnenschein und glasklarem Wasser!

Ein Dankeschön an unsere Patchwork-Truppe, die toll harmoniert hat, so dass wir eine tolle Ostertour hatten - allen Widrigkeiten zum Trotz! Denn so schnell verlieren wir unseren Glauben an dieses perfekte Paddelland nicht - und das ist unwiderruflich die Var-heit!

 

Text © Christian Brune

Fotos © Frank, Guido, Markus, Willi, Chris